Viele sagen, rösten sei Kunst. Kunst ist aber auch immer ein Handwerk. Lernen kann es jeder. Ob dann dabei etwas wirklich spezielles, mehr als gutes, ausserordentliches dabei herauskommt, dies ist dann vom Können und vor allem von der Erfahrung des Rösters abhängig.
Aber nicht nur. Und das ist ganz wichtig: Mach dir nichts vor. Du kannst noch so viel versuchen, verändern, tunen, genau aufpassen. Wenn dein Rohkaffee nicht die Aromen mitbringt, die du suchst, wirst du sie ihm nicht entlocken können. Oder andersrum: Wenn du DEN speziellen Kaffee rösten willst, musst du vor allem auch eine gute Rohkaffeequelle finden.
Aaaaaber erst mal langsam: Für den Start geht es auch anders 😉 Am Anfang willst du dein Gerät, deinen Röster kennenlernen. Das geht auch mit einem unspektakulären Rohkaffee. Wichtig ist nur: Erstmal nur eine Sorte…
Das war nun gerade ein wenig viel auf einmal, tut mir Leid! Lass es mich nochmals anders versuchen:
Du willst also selber rösten? Eine tolle Idee! Überlege dir, ob du einen eigenen Röster kaufen willst. Du wirst ihn nicht jeden Tag brauchen. Vielleicht kannst du dir einen mit einem Kollegen teilen? Oder du röstest mit in einem Co-Roasting Space, wie ich es anbiete (Heimröster ausprobieren / coroasting). Auch wenn du noch nicht sicher bist, ob Rösten dein Ding ist, kannst du es so ausprobieren.
Hauptsache, du legst dich mal auf einen Röster fest, um dich an ihn zu gewöhnen. Dann eben das mit dem Rohkaffee. Auch hier solltest du dich mal auf einen Kaffee festlegen für den Beginn. Das muss kein Spitzenkaffee sein. Du stehst ja noch am Anfang. Oder willst gar nicht sooo spezielles rösten. Am Besten legst du dich auf einen Rohkaffee fest, den du geröstet versuchen oder auch kaufen konntest, damit du einen Vergleich hast, was damit möglich ist. Hier hatte ich meine ersten Fehler gemacht und hab zu wenig eingekauft um genug ausprobieren zu können und auch noch ohne geröstete Vergleichsmöglichkeit. Er hat mich enttäuscht und ich konnte nicht sagen, ob ich etwas falsch gemacht hatte oder der Kaffee nicht das bringt, was ich erwarte.
Du hast deinen Kaffee? Dann geht es ans rösten. Erwarte kein Spitzenresultat. Aber trinkbaren Kaffee!
- Lege für dich die Zielgrösse fest. Z.B. Wieviel Entwicklungszeit / Anteil an der Röstzeit ab first Crack willst du? Oder bis zu welcher Endtemperatur wilst du rösten (je nach Gerät liegt der first crack bei 170° bis 180°, da solltest du also drüber sein. Je mehr Entwicklungszeit, aber auch je heisser, desto dunkler, desto mehr in Richtung klassische Espressoröstung geht dein Kaffee.
- Stelle eine Versuchsreihe auf. Z. B. 3-5 verschiedene Einwurftemperaturen. Diese sollten ab der beim Röster empfohlenen Einwurftemperatur starten und in 5er Schritten steigen. 5 & 10 Grad darunter kannst du quch versuchen. Oder eine eher höhere Einwurftemperatur aber 3-5 Heizstufen. Bei jeder Röstung stellst du bei Einwurf dann die Heizung auf eines dieser Settings.
- Röste für jede der Temperaturen oder jedes der Heizsettings die gleiche Menge Rohkaffee (eher nahe am Maximum des Rösters, dort ist er am stabilsten) ohne am Röster etwas zu verstellen (na gut, beim Hottop kannst du nach einigen Minuten die Lüftung dazunehmen, aber bei jeder Röstung zur selben Zeit und auf denselben Level). Wirf jede Röstung bei der vorher festgelegten Entwicklungszeit aus und notiere Röstdauer sowie die Endtemperatur der Bohnen.
Nach einigen Tagen cuppst oder verkostest du die Reihe nebeneinander und kannst die ersten Abhängigkeiten der Einstellungen erkennen. Notiere deine Beobachtungen! Du wirst sehen, je tiefer die Einwurftemperatur oder das permanente Heizsetting, desto länger dauert die Röstung. Desto eher wird der Kaffee danach mehr gebacken als geröstet schmecken. Oder sie war so tief, dass der Röster die Energie nicht aufbringt, um die Endtemperatur zu erreichen. Oder gerade so. Dann sehen die Bohnen – wenn du sie aus Verzweiflung ab der langen Röstdauer irgendwann auswirfst – so aus wie ganz links im Bild. Diese konnte ich nicht verkosten, das war gar nicht lecker…

Mache nun ähnliche Reihen mit anderer Variable. Zum Beispiel lässt du dieses Mal die Starttemperatur und Heizstufe gleich und variierst die Entwicklungszeit.
Erst ab der dritten Reihe würde ich dir Empfehlen, während der Röstung zu agieren. Zum Beispiel einmal pro Röstung die Energiezufuhr zurückzunehmen an verschiedenen Stellen oder um verschiedene Werte und dann zu lassen. Oder die Lüftung zu verstärken. Wichtig ist dabei, dass du die Röstungen aufzeichnest (am PC oder auch manuell), damit du die Auswirkungen der Veränderung beobachten kannst. So gewinnst du ein Gefühl für deinen Röster und lernst, welche Veränderung wie Schnell zu welcher Auswirkung führt. Nach dem Verkosten weisst du auch, wie es sich auf den Kaffee auswirkt.
Das sollte genügen für den Start. Mehr beim nächsten Mal, viel Spass beim ausprobieren!